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Die Zone (1995)

„Dies ist die Zone. Sie besteht aus den Ruinen der Gewohnheiten.“

Aus dem Film Orphée von Jean Cocteau (1950)

Irgendwann gibt es keine Natur mehr, nur noch Natur danach. Eine blasse Sonne schimmert durch die Blätter, oder vielleicht ist die Atmosphäre danach so sauber, daß sie mehr sticht und brennt als heute, die Sonne. Wir werden dafür eine Lösung finden. Das ist der große Fortschritt, den wir gemacht haben: daß wir für alles eine Lösung finden. Wenn wir es gelöst haben, interessiert uns ein Problem nicht mehr. Manchmal hinterlassen unsere Lösungen Spuren, die nach neuen Lösungen verlangen. Bis jetzt haben wir noch jedes Mal auch diese in den Griff gekriegt. Schlußendlich ist die Umwelt heute sauberer als vor hundert Jahren. Das liegt daran, daß unsere Lösungen sauberer geworden sind. Wir sind heute in der Lage zu differenzieren; wir fördern und verhindern. Dadurch gibt es fast keine Nebenwirkungen mehr. Sollte es tatsächlich noch irgendwelche Spuren geben, so sind diese minimal. Man könnte höchstens merken, daß etwas fehlt. Aber auch das nicht wirklich, denn was man nicht kennt, das kann einem nicht fehlen, oder? Wenn uns einmal doch irgend etwas fehlen sollte – die Sünden der Vergangenheit! – dann machen wir es halt wieder hin. Wir haben ja so viele Möglichkeiten heute. Natürlich ist das teuer, und dann muß man eben sehen, ob sich das rentiert. Ich muß ja wirklich nicht jedes Unkraut wiederhaben. Und außerdem: die Natur deckt alles zu.

Michaela Heissenberger