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Das Land dazwischen (1999)

Eine fotografische Reihung von Oliver Kern

An einem Sonntag im März über Land fahren. An einer Straßenkreuzung im Nirgendwo auf türkische Spaziergänger stoßen. Mit dem Bauern, der die Windmühlen betreibt, mit dem Kleinkraftwerksbetreiber, reden über Landwirtschaft und Ruhrgebiet. Den Nachbarn stören bei der Feldarbeit. Vorbeifahren an einer Informationstafel: Landmarke, Kunst, IBA. Ein Ortsschild passieren, wieder Häuser, eine Stadt, nein, ein Dorf. Eine Hauptstraße, eine Sperrmüllsammlung. Zwei Schalke-Fans.
Ein Bach wird renaturiert. Wir spielen Natur. Wir halten Pferde. Wir lassen Pferde halten. Die Scheune bietet Stellplätze für Wohnwagen. Am Spielplatz liegt einen Tag lang die Wildnis: abgeschnittene Äste herum. Im Wäldchen auf der Zeche spielen Erwachsene Räuber und Gendarm. Auf den kurzgeschorenen Wiesen golfen Golfer. In den Brachen dröhnt die Paris-Dakar.
Irgendwann im Sommer immer noch über Land fahren. Land dazwischen, gesteigerter Freizeitwert: Kanal zum Tauchen, Wiese zum Draufliegen, der Feldweg der Weg zu einer Party. Der Hafen ein Angelverein. Alles ein großes Spielfeld. Die Landschaft hat sich ausgedehnt und kriecht um die Häuser. Längst schon hat die Rückeroberung eingesetzt. Jeden Sommer ein Stückchen weniger Stadt, jeden Sommer ein Stückchen mehr Spielraum.

Michaela Heissenberger